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127 Hours von Danny Boyle

Überleben – um jeden Preis!

Aron Ralston ist ein begeisterter Abenteurer und Bergsteiger, der sein Hobby dermaßen zu seiner Obsession gemacht hat, dass andere Menschen in seinem Leben nicht mehr viel Platz haben. Seine Touren in die Berge zieht er alleine durch, ohne vorher jemandem davon zu erzählen. Dies wird ihm zum Verhängnis als er bei einer Kletteraktion in eine Bergspalte abrutscht und ein Felsklotz seine rechte Hand einquetscht. Mit wenig Verpflegung, diversen Seilen, einer Videokamera und einem stumpfen Messer im Rucksack versucht Aron nun sich zu befreien. Seine Versuche scheitern und als sein Wasservorrat zur Neige geht, kämpft er ums Überleben. Schließlich wird ihm klar, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt, dem Tod zu entkommen...

Was für eine Geschichte! – und wenn man sich vor Augen führt, dass sie wirklich geschehen ist, wird das Ganze noch unglaublicher. Was diesen Film so besonders macht, ist der Kontrast zwischen der geballten Lebenskraft und der scheinbar auswegslosen Situation, welcher von Aron ausgehend auf den Zuschauer übertragen wird. Man überlegt sich selbst, was man in dieser Situation getan hätte und man spürt die unterschwellige Verzweiflung, die mit dem Ausgehen der Rettungsideen einhergeht und gleichzeitig muss man über Arons positive Einstellung schmunzeln, die trotz allem immer wieder durchsickert. Dies liegt nicht zuletzt an Danny Boyles Stil, den wir schon aus ‚Slumdog Millionaire’ kennen: dreigeteilte Bilder, die parallel laufende Handlungen zeigen, Detailansichten, welche die Beschaffenheit eines Stoffes oder Materials verdeutlichen und die Sinne ansprechen und natürlich die Flashbacks, die wunderbar in die aktuelle Handlung eingreifen. Halluzinationen und Erinnerungen sind allgegenwärtig, so dass man trotz der Stille und Einsamkeit in der Bergspalte das pralle Leben fühlen kann – ein Leben, das weit entfernt von Aron stattfindet und ihn antreibt, nicht aufzugeben. Jeden Morgen kann er 15 Minuten lang die Sonne spüren, welche die Kälte der Nacht vertreibt und ihn an die Wärme seines Vaters denken lässt oder eine Berührung auf seinem fast schon abgestorbenem Arm lässt ihn an das Mädchen denken, das er mal geliebt und dann von sich weggestoßen hat. Intensive Empfindungen, die ein Leben ausmachen!

Aron wird uns so vertraut, dass wir ihn ehren für seinen Einfallsreichtum, z.B. wenn er die Kletterseile benutzt, um sich setzen zu können, oder für seine gelegentliche Euphorie, die fast etwas unpassend scheint und für seine Selbstironie, die einen schmerzhaften Unterton besitzt. James Franco verschmilzt förmlich mit der Person Aron Ralston und spielt seine One-Man-Show deshalb so grandios, weil er eben diesen Spagat zwischen ausgelassener Lebenslust und bitterer Selbsterkenntnis schafft.

Der blutige Teil, in welchem Aron seinen Arm abschneidet bzw.- reißt, ist so grauenvoll echt, dass einem wirklich schlecht wird und man für einige Momente nicht hinsehen kann. Hinterher ist man absolut erschlagen von Aron und von seiner Tat und wenn man dann nach Hause kommt, erscheint einem ein Glas frisches Wasser wie das reinste Glück.

Selten kann man im Kino so mitleiden und sich so aufrichtig über den Ausgang einer Geschichte freuen.

 

Wertung: 1.0

8.2.11 11:50

bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(8.2.11 22:28)
Warst du etwa in der Sneak statt Lena zu gucken? Böser Grand Prix Frevel!!!


finakino (8.2.11 23:06)
Jo, und ich bin sehr froh darüber :-) Biste neidisch?


XXL-Schnitzelland / Website (9.2.11 13:30)
Willi! Geb Dir Recht! Vor allem fällt der Typ halt schon nach fünfzehn Minuten in diese Spalte, zusammen mit diesem riesigen Stein, der (Achtung Spoiler!) auf seinem Arm landet. Der Film hat dann noch eine Stunde und zwanzig Minuten vor sich. 80 Minuten, von denen sich Aron im Grunde 75 Minuten nicht bewegen kann. Man fragt sich, wie Boyle das durchhalten möchte. 75 Minuten, in denen sich der Hauptdarsteller nicht bewegen kann, in denen der einzige Dialogpartner die eigene Kamera ist. Aber es läuft. Boyle ist der Hammer! Werd mir gleich nochmal Sunshine ansehen! Schau Dir "The Kings Speech" an. Der ist furchtbar aber ich glaube Du wirst ihn mögen!


finakino (9.2.11 16:04)
Hey, das ist ja cool, dass du mir mal recht gibst! Welch eine Ehre :-) Klar schau ich mir noch "The King's Speech" an, muss mich doch auf die oscars vorbereiten!


XXL-Schnitzelland / Website (9.2.11 22:44)
Gewöhn Dich besser nicht dran. Ich rieche schon wieder Konfliktpotential Ist in Deinen Oscar-Vorbereitungen "Exit through the Gift Shop" eigentlich auch vorgesehen?


finakino (10.2.11 17:10)
Jaja, ich hatte nicht vor, mich dran zu gewöhnen... bringt ja nix!;-) Nein, den hatte ich nicht vorgesehen. Wieso? Kannst du ihn empfehlen?


D-R (21.2.11 22:54)
Toller Film - stimmt! Habe die ganze Zeit die Augen nicht abwenden können und es hat sich auf jeden Fall gelohnt - unglaublich, was Boyle da geschaffen hat. Und James Franco gehört wirklich ausgezeichnet!

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