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True Grit von Ethan und Joel Coen

Zwei Männer und ein kleines Mädchen auf einer gemeinsamen Mission....

Die 14-jährige Mattie hat soeben ihren Vater verloren. Er wurde von Tom Chaney ermordet und dieser ist nun auf der Flucht. Mattie will Vergeltung und heuert den U.S. Marshall Cogburn an, um mit ihm Chaney zu jagen und letztendlich zu töten. Mit von der Partie ist auch der Ranger LaBoeuf und gemeinsam begeben sie sich auf die Reise...

Leider kann ich den Film eigentlich gar nicht kritisieren, da mir die Tatsache, dass ich ihn in der OV gesehen hab, einen Strich durch die Rechnung macht. Die Coen Brüder setzen auch hier wieder auf Dialoge und Wortwitz und da man den üblen Cowboy-Slang fast gar nicht verstehen kann, entgeht wahrscheinlich recht viel von dem, was den Film auszeichnet. Trotzdem kann ich sagen, dass der Film toll besetzt ist. Die vier Hauptpersonen, gespielt von Jeff Bridges, Josh Brolin (leider nur ca. 15 Minuten zu sehen), Matt Damon und Hailee Steinfeld sind ganz großartig in ihren Rollen. Vor allem Jeff Bridges schafft es, in seiner Figur Cogburn Raubeinigkeit, Trunkenheit, Gelassenheit und Herzensgüte zu vereinen.

Mal abgesehen von den originellen Figuren, werden auch hier wieder komisch-skurrile Situationen kreiert, die uns an „No Country for old Man“ denken lassen, z.B. das Auftauchen eines Mannes in Ganzkörper-Bärenkostüm. Wenn man doch mal etwas verstanden hat, sorgt der trockene Humor, der sich als Markenzeichen der Coen-Brüder durch den Film zieht, für kultverdächtigen Spaß. Dennoch wird man leider nicht von der Handlung gepackt. Bei den langen Gesprächen schaltet man schnell ab und wartet auf die nächste Szene, in der endlich wieder scharf geschossen wird – jedoch ist das bestimmt auch wieder eine Folge der OV Unverständlichkeit.

Ansonsten kann man sich selbst überlegen, was denn nun „true grit“ ausmacht? – 1. als Mordskerl umherzuziehen und viele Männer zu töten oder 2. sich für ein kleines Mädchen aufzuopfern und ihr das Leben zu retten oder 3. beides. Hmm?!

 

Wertung: 2.0 (könnte aber auch besser sein)

2 Kommentare 22.2.11 10:33, kommentieren

127 Hours von Danny Boyle

Überleben – um jeden Preis!

Aron Ralston ist ein begeisterter Abenteurer und Bergsteiger, der sein Hobby dermaßen zu seiner Obsession gemacht hat, dass andere Menschen in seinem Leben nicht mehr viel Platz haben. Seine Touren in die Berge zieht er alleine durch, ohne vorher jemandem davon zu erzählen. Dies wird ihm zum Verhängnis als er bei einer Kletteraktion in eine Bergspalte abrutscht und ein Felsklotz seine rechte Hand einquetscht. Mit wenig Verpflegung, diversen Seilen, einer Videokamera und einem stumpfen Messer im Rucksack versucht Aron nun sich zu befreien. Seine Versuche scheitern und als sein Wasservorrat zur Neige geht, kämpft er ums Überleben. Schließlich wird ihm klar, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt, dem Tod zu entkommen...

Was für eine Geschichte! – und wenn man sich vor Augen führt, dass sie wirklich geschehen ist, wird das Ganze noch unglaublicher. Was diesen Film so besonders macht, ist der Kontrast zwischen der geballten Lebenskraft und der scheinbar auswegslosen Situation, welcher von Aron ausgehend auf den Zuschauer übertragen wird. Man überlegt sich selbst, was man in dieser Situation getan hätte und man spürt die unterschwellige Verzweiflung, die mit dem Ausgehen der Rettungsideen einhergeht und gleichzeitig muss man über Arons positive Einstellung schmunzeln, die trotz allem immer wieder durchsickert. Dies liegt nicht zuletzt an Danny Boyles Stil, den wir schon aus ‚Slumdog Millionaire’ kennen: dreigeteilte Bilder, die parallel laufende Handlungen zeigen, Detailansichten, welche die Beschaffenheit eines Stoffes oder Materials verdeutlichen und die Sinne ansprechen und natürlich die Flashbacks, die wunderbar in die aktuelle Handlung eingreifen. Halluzinationen und Erinnerungen sind allgegenwärtig, so dass man trotz der Stille und Einsamkeit in der Bergspalte das pralle Leben fühlen kann – ein Leben, das weit entfernt von Aron stattfindet und ihn antreibt, nicht aufzugeben. Jeden Morgen kann er 15 Minuten lang die Sonne spüren, welche die Kälte der Nacht vertreibt und ihn an die Wärme seines Vaters denken lässt oder eine Berührung auf seinem fast schon abgestorbenem Arm lässt ihn an das Mädchen denken, das er mal geliebt und dann von sich weggestoßen hat. Intensive Empfindungen, die ein Leben ausmachen!

Aron wird uns so vertraut, dass wir ihn ehren für seinen Einfallsreichtum, z.B. wenn er die Kletterseile benutzt, um sich setzen zu können, oder für seine gelegentliche Euphorie, die fast etwas unpassend scheint und für seine Selbstironie, die einen schmerzhaften Unterton besitzt. James Franco verschmilzt förmlich mit der Person Aron Ralston und spielt seine One-Man-Show deshalb so grandios, weil er eben diesen Spagat zwischen ausgelassener Lebenslust und bitterer Selbsterkenntnis schafft.

Der blutige Teil, in welchem Aron seinen Arm abschneidet bzw.- reißt, ist so grauenvoll echt, dass einem wirklich schlecht wird und man für einige Momente nicht hinsehen kann. Hinterher ist man absolut erschlagen von Aron und von seiner Tat und wenn man dann nach Hause kommt, erscheint einem ein Glas frisches Wasser wie das reinste Glück.

Selten kann man im Kino so mitleiden und sich so aufrichtig über den Ausgang einer Geschichte freuen.

 

Wertung: 1.0

8 Kommentare 8.2.11 11:50, kommentieren

Tucker & Dale vs. Evil von Eli Craig

Oder: „und dann fingen diese Kids an, sich überall auf dem Grundstück umzubringen.“

Die beiden besten Freunde Tucker und Dale wollten einfach mal Männerurlaub in einer verfallenen Holzhütte im Wald machen. Zu dumm, dass eine Gruppe Jugendliche zur gleichen Zeit die Idee hat, in demselben Wald zu campen. Schon bald verdächtigt die Gruppe die beiden, ihre Freundin Ali entführt zu haben und sie bei nächster Gelegenheit kaltblütig ermorden zu wollen. Dabei wurde diese lediglich von Tucker und Dale gerettet. Eine Befreiungsaktion scheitert kläglich daran, dass mehrere Personen dabei umkommen. Die Vorurteile und der Hass wächst auf beiden Seiten immer mehr und schon bald heißt es: Dorftrottel vs. College-Kids!

Erstmal Daumen hoch für diese zugegebenermaßen echt schräge Idee! Am Anfang glaubt man, dass man einen typischen Teenie-Horrorfilm sehen wird, denn auf der einen Seite hat man die aus Stereotypen zusammengesetzte Gruppe amerikanischer Jugendlicher, auf der anderen Seite die typisch kriminell und unheimlich wirkenden Hinterwäldler und die perfekte Kulisse: ein Wald. Schließlich bekommt man auch das erwartete Gemetzel, allerdings etwas anders verpackt als sonst. Tucker und Dale sind zwei harmlose Typen, die Bier trinken und nicht allzu viel von Hygiene verstehen. Der etwas dümmliche Dale, der sich trotzdem alles Mögliche merken kann, gewinnt sofort sie Sympathien der Zuschauer, trotz seines unästhetischen Anblicks und Tucker kann mit seiner etwas rauen Art trotzdem niemandem gefährlich werden. Sie beide werden von den eingebildeten Jugendlichen sofort als Verbrecher abgestempelt und daraus ergibt sich der ganze Clou des Films. Es entsteht eine ganz eigenartige Version eines Horror/Splatterfilms, der auf totalem Bluff aufgebaut ist. Die Jugendlichen steigern sich in eine solche Panik, dass sie das Verhalten der beiden immer wieder völlig falsch interpretieren und zu Gegenattacken ausholen. Auf der anderen Seite ist es genauso. Dabei zieht der Film alle Aktionen ins Lächerliche und übertreibt das Ganze, indem es eine Menge Tote gibt. Die College-Kids sterben alle nacheinander durch ihre eigene Schuld oder dumme Versehen. Ok, soooo viel Blut hätte nicht sein müssen. Das Konzept hätte auch mit etwas weniger übelkeiterregenden Szenen funktioniert, dennoch fährt der Film damit eine konsequente Schiene und droht nie, ins Ernsthafte abzurutschen.

Völlig verrückte Szenarien tun sich auf, beispielsweise landet ein Typ im Holzschredder, oder ein anderer spießt sich im Laufen auf einen spitzen Ast auf. Hin und wieder ist das Ganze natürlich vorhersehbar und manchmal auch ein bisschen zu dumm aufbereitet. Die Therapiestunde zwischen den verfeindeten Gruppen hätte nun wirklich nicht sein müssen, oder die ekelerregenden Bienenstiche in Tuckers Gesicht sind auch etwas zu viel des Guten. Allerdings gibt es viel Wortwitz, was das Ganze wieder etwas auffängt.

Die Auflösung des Schlamassels, die auch wieder etwas vorhersehbar ist, macht dennoch richtig Laune, denn sie dreht alle konventionellen Vorstellungen ins Gegenteil. Der hässliche Dicke und die blonde Schönheit werden ein Paar und das Böse ist nicht bei den gruseligen Dorftrotteln zu suchen, sondern bei den hochnäsigen College-Kids. Jawohl, da wird man ganz schön eines Besseren belehrt!


Wertung: 2,7

1 Kommentar 1.2.11 16:51, kommentieren

Black Swan von Darren Aronofsky

Wahnsinn, Traum, Wahrheit, Intrige oder Täuschung? 

Nina ist eine hochbegabte Balletttänzerin und hat nun endlich ihr großes Ziel erreicht: sie wird die Hauptrolle im „Schwanensee“ tanzen. In der Rolle des weißen Schwans ist sie perfekt – engelsgleich, sanft und unschuldig. Doch die Parallelrolle des schwarzen Schwans macht ihr schwer zu schaffen – Leidenschaft und unterschwellige Aggressivität fehlen für die Glaubwürdigkeit. Ihre neue Kollegin Lily stellt eine ernsthafte Konkurrenz für Nina dar und schon bald vermutet sie eine Intrige Lilys, ihr hinterrücks die Rolle wegnehmen zu wollen. Angetrieben von ihrem Ballettlehrer und ihren eigenen Zweifeln, versucht sie, stärker in die Magie des schwarzen Schwans einzutauchen und sich ihren Ängsten zu stellen, doch bald findet sie sich in einem verwirrenden Psychospiel wieder, welches sie zu zerstören droht.

In unheimlichen, kühlen, schaurig-schönen, Bildern vermittelt der Film die Geschichte einer Frau, die krankhaft ehrgeizig ihre eigene Verwandlung herbeiführen will. Die Farben Weiß und Schwarz werden kunstvoll eingesetzt und obwohl sie mit den einfachen Bedeutungen ‚gut’ und ‚böse’ besetzt sind, ist die Wirkung dieses Wechselspiels überzeugend. Zudem wird mit Licht und Schatten, Einbildung und Realität, Unruhe und Stillstand eine intensive Welt aus psychologischen Fallen konstruiert, der man sich nicht entziehen kann. Man verfolgt Ninas Entwicklung und weiß irgendwann selber nicht mehr, was Wahrheit und was Wahnsinn ist. Man verliert sich mit ihr und spürt förmlich, wie der schwarze Schwan langsam die Oberhand gewinnt. Die Symbolik des Filmes allein sorgt schon für Gänsehaut, angefangen bei offensichtlichen Dingen, z.B. wenn sich Ninas Körper verändert, sie blutet, oder ihr Federn wachsen, bis hin zu kleinen Hinweisen, wie der Lichtausfall bei den Proben, der auf Kontrollverlust hindeutet oder die verstümmelte kleine Ballerinenfigur in Ninas Spieldose, die ihre innere Zerrissenheit symbolisiert. Auch zeigt der Film auf einer anderen Ebene die Persönlichkeitsentwicklung eines jungen Mädchens, die mit der Entdeckung ihrer Sexualität einhergeht und in ihr Ängste und Blockaden entstehen lässt. Diese Ebene verschwimmt mit der eigentlichen Handlung und zusammen kreieren sie eine hochkomplexe Charakterzeichnung.

Die Intensität, die fast panikartig auf den Zuschauer übergeht, erreicht in einigen horrorartigen Szenen ihren Höhepunkt. Wahnvorstellungen und Selbstverstümmelungen bestimmen die nervenzerreißende Atmosphäre und gesteigert wird dies noch von der umwerfenden Darstellung von Natalie Portman. Sie gibt sich voll und ganz der Rolle hin; in ihrem Gesicht kann man Schmerz, Angst, Unsicherheit, Triumph und Macht ablesen.

Definitiv eine Oscarwürdige Vorstellung, die dem Zuschauer einiges abverlangt und ihn gleichzeitig fasziniert und erschreckt. Gänsehaut pur!

Persönliche Wertung: 1.3

1 Kommentar 26.1.11 18:37, kommentieren

Dickste Freunde von Ron Howard

Wann hört die Ehrlichkeit in einer Freundschaft auf?

Ronny und Nick sind nicht nur seit vielen Jahren eng befreundet, sondern sie sind auch Arbeitskollegen, die Motoren für Elektroautos entwickeln und diese an größere Autohersteller verkaufen. Nick kümmert sich um die Technik, Ronny bringt ihre Ideen an den Mann. So bekommen sie bald einen großen Auftrag; im Job läuft es dementsprechend gut und privat eigentlich auch, denn Nick ist glücklich verheiratet mit Geneva und Ronny plant, seiner  Freundin Beth einen Heiratsantrag zu machen. Durch Zufall beobachtet Ronny, dass Geneva eine Affäre hat und von nun an plagt ihn die Frage, ob er seinem besten Kumpel davon erzählen soll, oder ob er ihn lieber nach Erledigung des Jobs damit belasten soll. Zunächst versucht er jedoch, Geneva zur Rede zu stellen und setzt alles dran, das Verhältnis hinter Nicks Rücken zu beenden. Aber ist das die richtige Lösung?

Zunächst einmal muss ich an dieser Stelle zugeben, dass ich kein Fan von dieser Art Komödie bin. Es geht einfach nur darum, möglichst viele „witzige“ Elemente einzubauen, die im Endeffekt alle guten Ansätze zunichte machen. So gibt die Grundidee einigermaßen was her, jedoch wird sie durch das idiotische Verhalten aller Beteiligten und den überaus peinlichen Nebenfiguren, z.B. Genevas volltätowierter Lover in Form eines änglichsten Hänflings oder Ronnys and Nicks immergeile Projektleiterin mit Frauenständer, vollkommen in den Hintergrund gerückt und man ist nur noch genervt von den ganzen überflüssigen Nebensächlichkeiten. Bedeutendere Themen, wie „Probleme einer langjährigen Ehe“ werden zwar angerissen, jedoch nicht weiter ausgeführt. Stattdessen berufen sich zwischenmenschliche Konflikte auf unbedeutende Dinge. Beispielsweise ist Nick unheimlich sauer auf Ronny, weil er ihm nichts von der Affäre erzählt hat, aber das eigentliche Problem, nämlich der Ehebruch, ist erst mal ausgeblendet. Andersherum macht Ronny seinen Freund nicht darauf aufmerksam, dass auch Nick ihn angelogen hat. Welche Moral soll man denn jetzt bitte annehmen? – ‚Belüge nie deinen besten Freund!’ funktioniert jedenfalls nicht.

Die Hauptdarsteller sorgen auch nicht gerade für Besserung: Vince Vaughn, der Mann ohne Mimik und Kevin James schaffen es nicht wirklich, die Sympathie der Zuschauer für sich zu gewinnen, da sie eher wie große Kinder wirken und nicht mit ihren beiden Superfrauen, Jennifer Connelly und Winona Ryder mithalten können. Wegen ihnen erhält der Film wenigstens noch ein bisschen Biss, vor allem wegen Winona Ryder als Geneva, der jede Intrige und Lüge recht ist, um ihre Affäre geheim zu halten.

Ansonsten ist dieser Film verschwendete Zeit. Da kann man sich lieber seinen besten Kumpel schnappen und mit ihm zusammen ein Bier trinken gehen.

 

Persönliche Wertung: 4,3

3 Kommentare 25.1.11 11:45, kommentieren

Brothers von Jim Sheridan

Zwei Brüder, eine Familie und Erfahrungen, die alles für immer verändern.

Sam und Grace sind glücklich verheiratet und haben zwei kleine Mädchen, Isabelle und Maggie. Sams Bruder Tommy, der gerade wegen Bankraub seine Gefängnisstrafe abgesessen hat, stößt bei Grace und auch bei seinem Vater auf Abneigung. Eine kurze Wiedervereinigung der Familie wird unterbrochen von Sams Militäreinsatz in Afghanistan, von dem er nicht zurückkehrt, denn zusammen mit einem Freund wird er als Geisel festgehalten und gefoltert. Grace derweil kämpft mit dem Gedanken, ohne Sam leben zu müssen, da sie ihn für tot hält und Tommy, der einen Weg sucht, mit dem Verlust umzugehen, nimmt sich der trauernden Familie liebevoll an. Aus lauter Einsamkeit entwickelt Grace Zuneigung für Tommy und auch die beiden Mädchen beginnen, ihren Onkel zu lieben. Währendessen wird Sam in Afghanistan befreit und nach Hause gebracht....

Nach der Inhaltsangabe könnte man leicht denken, dass Pearl Harbor 2 gedreht wurde, doch dies ist eindeutig nicht der Fall. Hier wird eine kitschfreie und sensible Geschichte erzählt von einem Mann, den seine traumatischen Erlebnisse so stark verändern, dass eine Familie daran zu zerbrechen droht. Toby Maguire ist herausragend als Sam, der durch seine Gefangenschaft verwandelt wird von einem liebevollen Ehemann und Vater in einen desillusionierten, zweifelnden und aggressiven Mann, der seine schrecklichen Erfahrungen tief in sich begraben will. Natalie Portman lässt einen mitfühlen, wie es ist, die Liebe des Lebens zu verlieren und plötzlich alleinerziehende Mutter zu sein. Wenn ihr die Tränen in die Augen steigen, möchte man mitweinen. Auch Jake Gyllenhaal beweist, dass er den kriminellen, ausgegrenzten Bruder genauso gut verkörpern kann, wie den sensiblen Onkel. Sogar die Nebenrollen überzeugen mit einer großen emotionalen Bandbreite, wie z.B. Sam Shepard als Vater oder Bailee Madison als Isabelle, die jetzt als Kind schon so facettenreich und wandelbar schauspielern kann. Das Schauspielerensemble macht den Film zu einem intensiven Erlebnis und auch das Thema der Bewältigung von Kriegserlebnissen, welches hier in Form eines authentischen Familiendramas gezeigt wird, packt den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Der Dramatik werden ein paar wahrhaft lustige Momente gegenübergestellt, in denen beispielsweise eine Nase mit einer Mondfinsternis verglichen, oder äußerst unmodische Herrenunterwäsche kommentiert wird. Es gibt stille Momente, in denen Grace versucht, sich dem heimgekehrten Sam wieder zu nähern oder Sam selbst versucht, sein Leben wieder zu ordnen, jedoch einen Moment später die Verzweiflung aus ihm hinausbricht und er seinen Bruder mit einer Waffe bedroht. Hier spürt man die Wut, Trauer, Liebe und die Unberechenbarkeit des Lebens.

Es wird einem ermöglicht, sich in jeden einzelnen Charakter hineinzuversetzen und zugleich wird man von der Intensität der Geschichte so mitgerissen, dass man gleichzeitig weinen und lachen möchte. Großartiges Gefühlskino mit herausragenden Darstellern!

Wertung: 1,0

2 Kommentare 18.1.11 11:40, kommentieren

Love and other Drugs von Edward Zwick

Er, ein charmanter Typ, der weiß, wie man Frauen rumkriegt... und sie, eine Künstlerin mit einer schweren Krankheit.

Jamie läuft gut gelaunt durchs Leben, schleppt dutzendweise Frauen ab und fühlt sich frei und ungebunden. Einen neuen Job findet er als Pharmavertreter und muss sich von nun an mit unfreundlichen Ärzten, einer ungemütlichen Konkurrenz und hartnäckigen, jedoch leicht bestechbaren Sprechstundenhilfen rumplagen. Eines Tages lernt er in einer Arztpraxis Maggie kennen. Sie ist schön, ebenso unabhängig wie er und vor allem interessiert an einer Affäre mit ihm. Mehr ist jedoch absolut tabu. Der Grund, warum Maggie so hartnäckig niemanden in ihr Leben lassen will, liegt auf der Hand: sie hat Parkinson in der Anfangsphase. Während Jamie mit seinem neuen Verkaufsprodukt Viagra viel Erfolg hat, fällt Maggie immer mehr in ihre Krankheits- und Zukunftsdepressionen. Jamie, der sich mittlerweile in Maggie verleibt hat und ihr helfen will, kann schließlich ihre festern Mauern einreißen, so dass Maggie die Liebe zulässt. Gemeinsam machen sie sich schlau über die neusten Methoden der Heilung von Parkinson; jedoch gibt es keine Hoffnung und Jamie bekommt kalte Füße...

Ein Film über Liebe, Bindungsangst, Krankheit und die Freuden von Viagra: hier erleben wir eine bunt gemischte Komödie mit erstem Hintergrund. Der Anfang plätschert noch ein wenig dahin, denn hier wird lediglich Jamie, (herrlich charmant gespielt von Jake Gyllenhaal), eingeführt, der nicht nur eine verrückte Familie hat, sondern auch generell ein recht schräges Leben führt. Die oberflächliche Unterhaltung bekommt einen Auftrieb, wenn Maggie auf der Bildfläche erscheint und die Zuschauer in ihren Bann zieht. Anne Hathaway spielt ihre Rolle ganz bezaubernd, so dass man voll und ganz fasziniert ist von der eigenständigen, jedoch einsamen Künstlerin. Ihre Mimik durchläuft die unterschiedlichsten Gefühle von ausgelassener Fröhlichkeit, über verliebtes Strahlen bis hin zu Verzweiflung. Der Film wird ausschließlich von den beiden Hauptdarstellern getragen, da alle anderen um sie herum verblassen.

In Bezug auf den Inhalt folgt der Film dem typischen Komödiemuster. Es gibt oberflächliche Slapstickeinlagen, z.B. wenn Jamie den Konsum von Viagra übertreibt und es gibt auch die typisch romantischen Päärchenszenen, in welchen die Filmmusik genau im richtigen Moment einsetzt und er sich zu ihr bekennt und sie aber keine feste Beziehung will. Leider schnappt also an einen Stellen die Klischeefalle zu und auch die Nebencharaktere, in Form von Jamies peinlichem Bruder oder dem Lackaffen, der Jamie nicht nur im Job Konkurrenz macht, sondern zufälligerweise auch Maggies Ex-Lover ist, tragen zu diesem Eindruck bei. Wie gut, dass dieser im Mittelteil durchbrochen wird, wenn es um Parkinson geht und der Film intensiv auf Menschen mit diesem Krankheitsbild eingeht. Wenn man das Krankheitsproblem vorher vielleicht noch als typisch komödiantischen Trennungsfaktor gesehen hat, so wird man nun eines Besseren belehrt, da man die ganze Tragweite – vor allem im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit – erkennt. Eine schwere Zukunft steht Maggie und Jamie bevor... wie werden sie also die Sache angehen?

Es ist schon eine interessante Frage, die da in den Raum geworfen wird: kann eine Krankheit eine Beziehung zwischen zwei Menschen so stark belasten, dass sie zum Scheitern verurteilt ist? Eine richtige Lösung bietet der Film meiner Meinung nach nicht, jedoch ist es auch lohnenswert, über dies für sich selbst einmal nachzudenken. Wäre diese Ernsthaftigkeit in einen angemesseneren Rahmen gebettet, der nicht einfach auf platte Unterhaltung abzielt, könnte man das Ganze noch etwas ernster nehmen.

Dennoch ist der Film lohnenswert. Vor allem werden Anne Hathaways Augen, ob strahlend oder weinend, das Herz der Zuschauer zum Schmelzen bringen.

 

Wertung: 2,0

1 Kommentar 17.1.11 15:58, kommentieren