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Eine Insel namens Udo von Markus Sehr

“No man is an island” – oder vielleicht doch?

Udo ist unsichtbar! Die Menschen bemerken ihn nur, wenn er direkt jemanden anspricht und diese Tatsache nutzt Udo für sich: er kann ahnungslosen Leuten den Espresso vor der Nase wegtrinken oder dicken kleinen Mädchen das Kuchenstück klauen. Vor allem aber ist er in seinem Beruf als Kaufhausdetektiv äußerst erfolgreich und nutzt das Kaufhaus nach Ladenschluss als ein Zuhause, in welchem er Rollschuh fahren, sich bei den Lebensmitteln bedienen oder in Zelten schlafen kann. Eines Tages trifft er auf Jasmin, die erste Person, die ihn sehen kann. Die Liebe macht Udo sichtbar für alle und stellt ihn vor die Aufgabe, seine Einsamkeit in Anpassung zu verwandeln....

Diese Komödie startet mit einer kurzen schwarz-weiß Dokumentation über das Phänomen der Unsichtbaren: diese Menschen sind Außenseiter und werden in der Gesellschaft nicht beachtet. Der Grundgedanke, der durchaus einen wahren Kern vertritt, wird unterhaltsam umgesetzt durch die Geschichte von Udo (Kurt Krömer), dem drolligsten und herzallerliebsten Außenseiter aller Zeiten. Jasmin, die Dame seines Herzens, wird durch die wunderbare Fritzi Haberlandt verkörpert, die mit einer authentischen Darstellung ihrer extrovertierten und herrlich entscheidungsunfähigen Figur überzeugen kann. Auch die Nebencharaktere fügen sich prima in das Gesamtkonzept: da wäre der finnische Kaufhausangestellte Sallinen, der einfach kein Glück mit Frauen hat, oder die transsexuelle Amanda, die immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Zwischen diesen leicht schrulligen Charakteren entstehen immer wieder Situationen, die durch skurrilen Wortwitz dem Zuschauer Lachtränen in die Augen treiben. Ok, der Gag mit Udos Hemd, welches exakt das Tapetenmuster wiedergibt, ist nicht neu (z.B. bekannt durch Garden State), aber trotzdem noch originell. Ansonsten ist es schon urkomisch, wenn Udo als Unsichtbarer grundsätzlich auf Gruppenfotos verdeckt wird, nackt durch das Kaufhaus oder im Skianzug durch die Stadt läuft und einfach immer wieder beweist, dass er komplett aus den gesellschaftlichen Normen herausfällt.

Leider werden die komischen Situationen manchmal zu sehr auf die Spitze getrieben und hin und wieder rutscht die Komik leicht ins Übertriebe, wie wir es von deutschen Komödien allgemein gewohnt sind. Klischees werden jedoch meist ausgeglichen mit spaßiger Unkonventionalität, so wird z.B. die Dramatik des finalen Kusses vereitelt und Gefühlsausbrüche werden mit tragikomischen Untertönen abgeschmeckt.

Alles in allem eine zwar vorhersehbare, aber dennoch lockere und amüsante Komödie! Witzig, putzig und vor allem kauzig!

 

Wertung: 1,7

1 Kommentar 7.6.11 17:54, kommentieren

Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten von Rob Marshall

Die coolsten Piraten aller Zeiten machen sich bereit für ihr viertes Abenteuer...

Jack Sparrow hat unfreiwillig eine neue Crew gefunden: damals verführte er die schöne Angelica zur Piraterie und nun muss er zusammen mit ihr und ihrem berüchtigten Vater Captain Blackbeard die Quelle der ewigen Jugend finden. Doch nicht nur sie stechen in See, sondern auch Captain Barbossa der fadenscheinig unter königlicher Flagge segelt, hat ein Interesse daran, die Quelle und somit Captain Blackbeard zu finden, mit dem er noch eine Rechnung offen hat. Um von der lebensverlängernden Kraft aus der Quelle Gebrauch machen zu können, benötigt man zwei besondere Kelche und die Träne einer Meerjungfrau... eigentlich keine leichte Aufgabe, jedoch eine Leichtigkeit für Jack Sparrow der noch durch jedes Abenteuer hindurchgetorkelt ist.

Lange muss man nicht warten, bis unser aller Lieblingspirat die große Leinwand schmückt. Sein erster Auftritt in diesem vierten Teil ist sehr originell und weckt Vorfreude auf die nächsten zwei Stunden mit Jack Sparrow. Zurecht! - denn Johnny Depp schafft es auch hier mal wieder mit seinem spaßigen Charme alle Sympathien auf sich zu ziehen. Einige Witze zünden nicht immer so richtig, dennoch entschädigen altbekannte Sprüche und vertrottelte Aktionen vollkommen dafür. Unterstützt wird er erneut von Geoffrey Rush, der mal wieder eine teuflisch gute Vorstellung als Captain Barbossa hinlegt und seinen Gegner Blackbeard (Ian MyShane) mit Leichtigkeit an die Wand spielt. Angesichts dieses neuen Bösewichts wünscht man sich doch glatt Davy Jones zurück. Dafür ersetzt die feurige Angelica (Penelope Cruz) ganz wunderbar die Figur der Elizabeth Swann, denn sie stellt den weiblichen Gegenpart zu Jack Sparrow dar und bewährt sich an seiner Seite – auch ohne sentimentale Liebesgeschichte. Die Anzahl an relevanten Charakteren bleibt recht übersichtlich, was dem Film nur gut tut, denn somit droht dieser Teil der Reihe nicht im heillosen Chaos zu versinken. Die Geschichte wird konsequent erzählt und es gibt keine größeren Verwirrungen und keinen Action-Overkill. Allerdings fehlen epische Schlachten und der Aufhänger des Abenteuers – die Quelle der ewigen Jugend – kommt einem recht unspektakulär vor. Hier und da gibt es ein paar Längen, z.B. wenn die Suche nach den Kelchen unnötig ausgeweitet wird, da diese bereits von den Spaniern geklaut wurden, bevor Jack und Barbossa die Chance hatten. Dennoch gibt es recht gut umgesetzte Ideen: die Meerjungenfrauen, die zwar wunderschön, jedoch todbringend und schwer zu fangen sind, schmücken die Piratensaga mit mystischer Atmosphäre und ein Schiff, welches aus einem Felsen herausragt und bei Übergewicht zu einer Balancefalle wird, ist auch ein netter Einfall, um die Suche nach der Quelle für Jack und Co. spannender zu gestalten.

Insgesamt erkennt man eindeutige Parallelen zum ersten und unumstritten besten Teil der Reihe. So wird die Kampfszene zwischen Jack und Angelica zu einer Wiederaufnahme des Kampfes zwischen Will und Jack in der Schmiede, der Showdown an der Quelle der ewigen Jugend erinnert stark an die Kampfszene in der Schatzkammer auf der Isla de Muerta und die letztendliche Aussetzung Angelicas auf einer einsamen Insel muss gar nicht erst erklärt werden. Zwar kann dieser Film nicht mit dem Einfallsreichtum des ersten Teils mithalten und wirkt an manchen Stellen eher wie ein krampfhafter Versuch an den damaligen Erfolg anzuknüpfen; jedoch gelingt es hier und da, die alte Magie wieder aufleben zu lassen, was man nach zwei enttäuschenden Fortsetzungen hoch anrechnen kann.

Für Fans der Reihe ein absolutes Muss und natürlich auch für alle Piratenfans! Klar soweit?!

Wertung: 2.0

4 Kommentare 26.5.11 12:02, kommentieren

Der Mandant von Brad Furman

Ein arroganter Anwalt und sein noch arroganterer Klient in einem Katz-und-Maus-Spiel um Wahrheit und Gerechtigkeit.

Er erledigt seine Aufträge mit links und mit selbstgerechter Zufriedenheit– von der Rückbank seines Chauffeurwagens aus. Mick Haller ist Anwalt für Kleinkriminelle und immer erfreut, seine Mandanten mit offensichtlicher Leichtigkeit aus prekären Situationen rauszuhauen. Doch dann bekommt er den Auftrag, den reichen Louis Roulet, der eine Prostituierte brutal zusammengeschlagen haben soll, von der Anklage zu befreien. Mithilfe von Frank, einem hervorragenden Ermittler, taucht Haller tiefer in diesen Fall ein und findet sich am Ende knietief in einem Mordfall wieder, dessen Behandlung nicht nur für ihn sondern auch für seine Familie eine direkte Bedrohung darstellt...

Matthew McConaughey ist zugegeben keiner meiner Lieblingsschauspieler, dennoch verkörpert er den selbstgerechten Anwalt Mick, der nach einiger Zeit seine eigenen Grundsätze in Frage stellt, recht überzeugend. Unterstützt wird er von Marisa Tomei als seine selbstbewusste Ex-Frau Maggie, von William H. Macy als kauziger Frank und von Ryan Phillippe, der nach längerer Pause endlich mal wieder auf der großen Leinwand zu sehen ist und den kaltblütigen Angeklagten Louis spielt. Das Schauspielerteam verspricht also einiges – jedoch wird es vom Drehbuch abgebremst. Die Handlung beginnt wenig motivierend, entwickelt sich dann aber recht vielversprechend weiter zu einem Justizthriller, der die Frage der Schuldzuweisung aufwirft. Leider werden die einzelnen Verwicklungen und interessanten Hintergründe nur angekratzt, so wird z.B. die recht bedeutsame Verbindung zwischen Louis und seiner Mutter nicht genügend beleuchtet und auch die Figur von Mick wird in Bezug auf sein Dilemma mit einem damaligen Mordfall nicht ausreichend weiterentwickelt. Wenn die Situation für Mick immer angespannter wird, werden die entscheidenden Konflikte meist nur durch Gespräche verdeutlicht und der Eindruck von aktiver Gefahr für ihn und seine Familie entsteht selten. Momente der Bedrohung gibt es zwar, z.B. der Mord an Frank, oder wenn Louis unerwartet in Micks Wohnung auftaucht und sich eiskalt als Mörder bekennt, jedoch überwiegt meistens eine oberflächliche Atmosphäre der Spannung, so dass gute Showdowns im Keim erstickt werden. Die Rollen der einzelnen Personen sind relativ schnell geklärt, so dass man auch in Bezug auf sie keine größeren Überraschungen mehr erlebt und die letztendliche Lösung kommt ziemlich unspektakulär daher.

Schade, dass der Film kein Ass im Ärmel vorzuweisen hat, denn eigentlich wäre das Potenzial dagewesen. Somit muss man sich mit einem durchschnittlichen Krimi begnügen, der zwar teilweise in Fahrt kommt, jedoch hohe Erwartungen enttäuscht.

 

Wertung: 3.0

(Für alle Fans des Justizdramas empfehle ich den Tatort „Nie wieder frei sein“ (2010), der durch intensive Spannung und großartige Darsteller besticht.)

1 Kommentar 24.5.11 15:36, kommentieren

Priest von Scott Charles Stewart

Mordlustige Vampire und kämpfende Priester in einer hoffnungslosen Welt...

Eingesperrt innerhalb einer totalitären Gesellschaft, die von der Kirche kontrolliert wird, fristen die Menschen ihr Dasein. Einst kämpften sie gegen Vampire und die einzige wirkungsvolle Waffe gegen sie waren voll ausgebildete Priester. Als die Vampire, angeführt von einem Untoten, wieder erstarken und die Nichte eines Priesters entführen, beginnt dieser seinen persönlichen Kreuzzug gegen die Blutsauger. Unterstützt wird er dabei von einer weiteren Gotteskriegerin und dem Revolverhelden Hicks.

Eine Fabrikstadt, schmutzig und dunkel, von dichtem Rauch durchzogen und kalt flimmernde Bildschirme, über die der Diktator zu den Menschen spricht - diese Dystopie jagt einem reihenweise kalte Schauer über den Rücken und kreiert ein Gefühl des Unbehagens, welches man den ganzen Film über nicht mehr verliert. Die Orte des Geschehens bleiben düster und unheimlich: die kahle Wüstenlandschaft außerhalb der Stadt, der unendliche, sich in Gängen windende Vampirstock oder das Lager der Untoten. Hinzu kommt noch die schlichte dunkle Kleidung der Priester und schon haben wir ein perfektes Set Design, welches einen Film über die Vampirapokalypse hervorragend unterstützt. Hinzu kommt noch der dunkle Held Priest, der mit seiner stillen Überlegenheit einen intensiven Eindruck hinterlässt. Er scheint die ganze Zeit einen inneren Schmerz mit sich herum zu tragen und wirkt andererseits so furchtlos und eisern, wenn er sich den ekelig schleimigen Vampirwesen entgegenstellt. Alle anderen Figuren um ihn herum wirken sehr blass, auch sein pompös inszenierter Gegenspieler Black Hat, der von Karl Urban verkörpert wird, kann den Zuschauer wenig beeindrucken.

Spannung bietet der Film reichlich. Die blitzschnell springenden Vampire sorgen für genügend Schockmomente und die Ereignisse folgen so wahnsinnig schnell aufeinander, dass dem Zuschauer kaum Zeit bleibt zum Luftholen. In knapp 90 Minuten wird die Handlung kurzweilig abgespult, aber vielleicht hätte es dem Film gut getan, an einigen Stellen etwas langsamer vorzugehen, um die spannungsgeladenen Szenen nicht an ein Actiongeprassel grenzen zu lassen. Auch die teils platten Dialoge könnten mit etwas mehr Tiefgründigkeit angereichert werden.

Vorhersehbar ist der Film natürlich auch, jedoch bietet er gute Unterhaltung für Action- und Horrorfans.

 

Wertung: 2,3

1 Kommentar 21.5.11 16:04, kommentieren

Thor von Kenneth Branagh

Aufgepasst, an alle Fans der nordischen Mythologie: Thor, der Donnergott kommt auf die Erde! Eine gute Gelegenheit, ihn persönlich zu treffen.

Ein heller Blitzstrahl und ein reißender Wirbelsturm... dann steht er plötzlich da: Thor! Verbannt von seinem Vater Odin, direkt aus der göttlichen Welt Asgard hinab auf die Welt zu den Sterblichen. Der Grund: Thors Starrköpfigkeit und Arroganz lassen einen alten Krieg zwischen dem Himmelsreich Asgard und den Eisriesen aus Jontunheim wieder aufflammen. Eine gute Gelegenheit für Thors Halbbruder Loki, die lang ersehnte Stelle seines Bruders einzunehmen und die Anerkennung seines Vaters zu gewinnen. Derweil trifft Thor auf der Erde auf drei Wissenschaftler und auf seinen herabgestürzten Hammer, den er nur als wahrer Held wiedererlangen kann. Während Thor versucht, sich in seiner neuen Rolle zurecht zu finden und Gefallen an der klugen Wissenschaftlerin Jane findet, wird das Tor zu Asgard von den eisigen Feinden bedroht...

Eine schillernde Götterwelt und eine kahle Eiswelt... sofort zu Beginn des Films hat man das Gefühl, dass hier ein echter Profi am Werk war. Kenneth Branagh liefert eine grandiose Grundlage für die bombastischen Ereignisse, die jenseits der Erde über den Sieg von Gut oder Böse entscheiden werden. Dagegen wirken die Szenen auf unserer altbekannten Erde fast etwas öde. Dies liegt vor allem an den Charakteren, die in der Götterwelt so viel interessanter wirken. Da wäre z.B. der allmächtige Odin (hochherrschaftlich gespielt von Anthony Hopkins), oder der zwiespältige Loki (Tom Hiddleston), der sich vom Bösen verführen lässt, obwohl er sich doch nur nach Liebe gesehnt hat, der erhabene Heimdall (Idris Elba), der das Tor zu Asgard mit geballter Willenskraft verteidigt und natürlich Thor, der Hitzkopf und Draufgänger, dem dennoch alle Herzen zufliegen. Chris Hemsworth überzeugt durch sein charismatisches Auftreten und seiner gleichzeitigen Trotteligkeit, wenn er sich als Gott auf der Erde nicht respektvoll genug behandelt fühlt. Im Gegensatz dazu wirken alle Sterblichen wie unbeschriebene Blätter. Natalie Portman bleibt als Jane merkwürdig blass und so kann auch sie die Erde-Episoden nicht richtig aufpeppen.

Leider schafft es der Film nicht, das gewöhnliche Actionheld-Genre zu übersteigen. Die Beziehungen der Figuren untereinander werden nur hier und da näher beleuchtet und oftmals kippt der Film in Klischees ab. Der irdische Showdown zwischen Thor und dem Metallmann wirkt viel mehr wie eine neue Version eines Power-Ranger-Kampfes als ein spannendes Finale. Dafür wird man aber einigermaßen mit dem Finale in Asgard entschädigt.

Ein bisschen mehr Poesie hätte man sich von einem Shakespeare-Regisseur doch gewünscht. Dennoch gibt es definitiv originellen Wortwitz, was den Film vom Durchschnitt abhebt. Es ist schon urkomisch wenn ein blonder Muskelprotz seinen Bierkrug mit einem Schlag zu Boden wirft und dabei brüllt: „Ein gutes Gesöff! Mehr davon!“ oder wenn er sich an anderer Stelle empört: „Du wagst es Thor zu bedrohen... und das mit so einer mickrigen Waffe!“ Im nächsten Teil bitte noch mehr davon!

 

Wertung: 2,3

2 Kommentare 21.5.11 00:26, kommentieren

Wasser für die Elefanten von Francis Lawrence

Ein Zirkus zwischen Schein und Sein und eine Elefantendame, die versteckte Gefühle enthüllt.

Jacob steht kurz davor, seinen Abschluss in der Tiermedizin zu machen, als ihn der tragische Tod seiner Eltern vollkommen desillusioniert zurücklässt und ihn dazu bringt, sein bisheriges Leben aufzugeben. Er schließt sich einem Wanderzirkus an und kann es Dank seiner wertvollen Kenntnisse über Tiere schaffen, ein vollwertiges Mitglied der Zirkustruppe zu werden und sich die Gunst des Zirkusdirektors August zu sichern. Vom ersten Augenblick an ist Jacob fasziniert von Augusts Gemahlin Marlena, die als Dressurreiterin die Attraktion des Zirkusprogramms darstellt und für August scheinbar wie ein wertvoller Schatz behandelt wird. Auch bei der Elefantendame Rosie findet Jacob Geborgenheit und pflegt das schlaue Tier mit sensibler Hand. Bald darauf wird Augusts aggressive und sadistische Art deutlich, die er im Umgang mit Rosie und auch mit seinen Angestellten und Marlena an den Tag legt. Für Jacob und Marlena, die sich ineinander verliebt haben, bedeutet August bald eine unberechenbare Gefahr...

Mit diesem Film taucht man in eine romantische Zirkuswelt ab, die mit atmosphärischer Artistik, Akrobatik und Illusionen die Herzen der Zuschauer für sich gewinnt. Der perfekte Schein wird getragen von wunderbaren Bildern dieser magischen Welt und einer ästhetisch-schönen Reese Witherspoon, die als Marlena so engelsgleich die Zirkusprinzessin verkörpert, dass man denken könnte, sie wäre in diese Umgebung hineingeboren. Im Kontrast dazu wird die Schattenseite der harmonischen Zirkuswelt dargestellt von Christoph Waltz als herrischer August, der den Spagat zwischen oberflächlicher Freundlichkeit und unterschwelliger Grausamkeit perfekt meistert. Ok, die Rolle erinnert an seine Darbietung als Offizier Landa in Inglourious Basterds, dennoch überzeugt sie ein zweites Mal, da niemand sonst so teuflisch gut ein menschliches Monster verkörpern kann! Als symbolisches Instrument für seine sadistische Ader dient die spitze Eisenstange, mit der er der Elefantendame Rosie schwere Verletzungen zufügt, was den Zuschauern Entsetzen einflößen dürfte. Robert Pattinson überrascht als Jacob durch eine gute schauspielerische Leistung, mit der er beweist, dass er aus seinem Twilight-Schönling-Image herausbrechen kann. Besonders gut gelingt ihm die aufwallende Wut und Tatkraft, wenn er gegen August vorgehen will. Die Figur des Jacob wird durch die Rahmenhandlung besonders rund, die einen gealterten Jacob (Hal Holbrook) zeigt, der sich an alte Zeiten erinnert und wahnsinnig echt weinen kann.

Die Schauspieler fügen sich allesamt überzeugend in die Handlung und das Setting ein und der Zuschauer wird eingeladen, sich 2 Stunden lang in ihre Welt fallen zu lassen. Manchmal wird lediglich die Kitschgrenze ein wenig strapaziert, wenn die Romanze von Jacob und Marlena zu schwelgend daherkommt und die Dramatik der klassischen Dreiecksgeschichte Jacob-Marlena-August überzubrodeln droht.

Insgesamt sehen wir hier ein märchenhaftes Zirkusbild, dass auch hinter die Kulissen blicken lässt und Fragen aufwirft, ob die Illusionen unserer Welt  nicht oftmals durch eine erschreckend gnadenlose Macht angetrieben werden.

 

Wertung: 1,7

1 Kommentar 20.5.11 13:05, kommentieren

The King’s Speech von Tom Hooper

Ein stotternder König und sein wortgewandter Sprachtherapeut…

Prinz Albert, Sohn des britischen Königs George V., fehlen die Worte – vor allem, wenn er in der Öffentlichkeit Reden halten muss. Verschiedene angesehene Fachmänner haben bereits versucht, das Stottern in den Griff zu bekommen, jedoch ohne Erfolg. Der entmutigte Prinz kann schon nicht mehr an eine Heilung glauben, als seine fürsorgliche Frau Elizabeth ihm den Vorschlag macht, den eigenwilligen Sprachtherapeuten Lionel Logue aufzusuchen. Zunächst empfindet Prinz Albert -  auch liebevoll von seiner Familie „Bertie“ genannt - die Methoden Lionels als sehr befremdlich und sträubt sich gegen seine Vorschriften. Als erste Erfolge hörbar werden, kann er jedoch nicht anders, als dem unkonventionellen Mann zu vertrauen und als Bertie schließlich König wird, kann er Lionel als Therapeuten und Freund nicht mehr entbehren. Seine erste Rede nach Kriegsbeginn, gleichzeitig seine erste Bewährungsprobe, steht unmittelbar bevor.

Das Dilemma des Mannes wird offenkundig dargestellt: wie kann man König sein mit einer so gravierenden Sprachstörung? Bertie wirkt verunsichert, als ob er einfach nicht dafür geschaffen ist, als Person der Öffentlichkeit England zu führen… und doch kann man mit Sicherheit ab Mitte des Filmes sagen: eine so starke Persönlichkeit hat definitiv das Zeug dazu, König zu werden. Nicht zuletzt durch Colin Firths Darbietung des zugleich schwachen und starken Königs gelingt dieser Eindruck. Sein Handicap lastet wie ein großer Schatten  auf seiner Seele und als Zuschauer wird man Zeuge, wie er kämpft und es schließlich schafft, seine Angst und seinen Zorn zu besiegen. Wenn er mal wieder vor das Mikrofon tritt, hält man den Atem an, bis dann die ersten Worte zu hören sind. Geduldig muss man mit so einem Menschen sein, denn man kann großes von ihm erwarten… es dauert nur ein bisschen, bis er es zeigen kann. Genau das zeichnet „The King’s Speech“ aus. Die Geduld, die Doktor Logue bei der Behandlung anwendet, muss auch der Zuschauer aufbringen. Zwischendurch darf herzlich gelacht werden, denn die Unaufgeregtheit des Filmes und die zusätzliche Vornehmheit des edlen Colin Firth, werden gewürzt mit trockenen Sprüchen. Lionel Logue, gespielt von Geoffrey Rush, sorgt für den nötigen Pepp, indem er Bertie kompromisslos von seinem hohen Ross herunter holt. Irgendwann hat er ihn soweit, dass der vornehme Mann in Lionels Behandlungszimmer herumläuft und in seinen Stotterpausen üble Beschimpfungen ausruft, seine Worte singend fehlerfrei ausspricht, oder sich auf dem Boden herumwälzt, um ein nie gekanntes Gefühl des Locker-Werdens hervorzurufen. Es macht Spaß, den beiden zuzusehen, da nicht die ganze Zeit alles auf Erfolgskurs steht, sondern die einen oder anderen verletzenden Worte fallen, welche die hart erarbeitete Beziehung zerstören. Hier braucht man viel Einfühlungsvermögen und Sensibilität – auch als Zuschauer!

 

Der Film ist wunderbar besetzt bis in die kleinsten Nebenrollen. Geoffrey Rush ist in seiner lebensbejahenden Art genauso gut, wie in den ruhigen Momenten, wenn er erkennt dass er bei Bertie hin und wieder auf Granit beißt. Sein Blick, wenn der König in beleidigt, ist tief traurig und bewegend! Timothy Spall ist als Churchill der heimliche Superstar des Films und auch Helena Bonham Carter glänzt als Elizabeth, die trotz aller Schwierigkeiten, zu ihrem Mann steht.

Zwar packt der Film einen nicht so sehr, da er dafür einfach zu langsam und ruhig ist, aber dennoch sehen wir hier eine interessante Charakterstudie und eine schöne Geschichte über die Entstehung einer wahren Männerfreundschaft, die von den erstklassigen Schauspielern getragen wird.

 

Wertung: 1,3

3 Kommentare 26.2.11 12:05, kommentieren